Nicht selten werde ich dann auch gefragt, wie es sein kann, dass meine Klienten diese unglaublichen Erfolge haben? Ob ich eine "Magic Diet" hätte, einen "Abnehmtrick" oder ob ich von irgendwelchen neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen Licht bekommen hätte, die diverse Vorteile fürs Abnehmen oder für den Muskelaufbau ans Licht gebracht hätten. Und ich muss immer wieder sagen: "Ich wünschte, es wäre so!". Das würde so einiges vereinfachen und erleichtern. Doch leider ist genau das Gegenteil der Fall. Es gibt nicht DEN perfekten individuellen Plan und die optimale Planung, um an sein Ziel zu kommen. Letztlich lässt es sich immer wieder und wieder auf die gleichen einzelnen Puzzleteile herunterkürzen. Nämlich Progression beim Training, Geduld und Kontinuität bei seinem gesamten Tun und die richtige Zielsetzung, richtig formuliert und richtig ausgeführt. Womit wir auch schon beim eigentlichen Thema wären. Der Zielsetzung.
Ergebnisorientierte Zielsetzung vs. Prozessorientierte Zielsetzung
Für viele mag das das Gleiche sein. Doch nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt liegen als das. Denn die Allermeisten konzentrieren sich zu stark auf das Ergebnis. Nehmen wir als Beispiel noch einmal das Abnehmen. Das große Übergeordnete Ziel könnte sein, dass man im kommenden Sommer einen Six Pack haben möchte. Nun muss man sich natürlich zunächst einmal fragen, ist das überhaupt realistisch? Aber für die Meisten ist es das mit genügend Zeit in jedem Fall. Wir haben nun Ende November und bewegen uns auf den Dezember zu. Nun möchten wir das Ziel im Juni erreicht haben. Das sind noch 6 Monate. Wenn man nicht gerade mehr als 20kg zum Ziel verlieren muss, dann ist das durchaus realistisch. Ziel ist gesetzt. Dieses Ziel ist das anvisierte Ergebnis. Von nun an gilt es, dieses Ergebnis zu verfolgen, richtig? Falsch!
Das mag erneut befremdend oder seltsam klingen. Vielleicht sogar für viele kontraproduktiv. Doch genau das ist der erste Schritt in Richtung "Versagen". Vor allem dann, wenn man seine Zielsetzung auch noch lange halten möchte und nicht nur an einem Tag ein schönes Foto machen will. Und für nicht wenige ist es zudem nicht ganz einfach, sich einem Ziel unterzuordnen, das noch soweit in der Ferne liegt. Hat der Schokoriegel von heute, 6 Monate vor dem Zieldatum WIRKLICH Relevanz in Bezug auf die Erreichung meines Six Packs? Wahrscheinlich nicht. Aber der Schokoriegel von heute, zusammen mit dem von morgen, zusammen mit der Plätzchenschlacht an Weihnachten, zusammen mit dem ausgelassenen Essen und Trinken an Silvester usw. schon! Es ist schwierig, sich einem Ziel zu unterwerfen, das noch so weit weg ist.
Nun werden natürlich viele kommen und sagen "Moment! Da war doch was mit kleinen Zwischenzielen!". Ja, das ist richtig. Das macht die Sache erträglicher. Aber nur selten erfolgsversprechender! Was wirklich Erfolge bringt, ist eine ergebnisorientierte Zielsetzung in eine prozessorientierte Zielsetzung umzuwandeln. Faktisch gesprochen, was kannst du HEUTE tun, um dein Ziel in 6 Monaten zu erreichen?
Nehmen wir erneut das Abnehmen und unseren Six Pack. Das Six Pack zu erreichen im Juni kommenden Jahres als Zielsetzung ist ergebnisorientiert. Täglich 20 Minuten einen zusätzlichen Spaziergang zu machen, um zum Ergebnis zu kommen, das ist prozessorientiert. Wir konzentrieren uns also darauf, was wir JETZT und HEUTE dafür AKTIV tun können, um unserem Ergebnis ein Stück näher zu kommen. Die Zielsetzung lautet demnach plötzlich nicht mehr "Six Pack", sondern "20 Minuten spazieren gehen". Wir haben damit einen aktiven Einfluss und vor allem einen unmittelbaren aktiven Einfluss auf unser großes Ziel in 6 Monaten. Wir haben nicht mehr diese "Ach der Schokoriegel von heute macht sich im Juni schon nicht mehr bemerkbar"-Mentalität, die wir zuvor hatten. Wir haben jeden Tag unsere feste kleine Zielsetzung. "Carpe diem" oder "Der Weg ist das Ziel". Völlig abgedroschene Sprüche und Argumente - die "leider" zu 100% richtig sind.
Die Meisten scheitern an Selbstüberforderung
Einen weiteren Punkt den man immer wieder beobachten kann ist die Selbstüberforderung. Man will einfach zu viel auf einmal. Man will dass es möglichst schnell geht. Man ist auf der Suche nach dem magischen Trick. Sobald man sich das Ziel "Six Pack" gesteckt hat, geht es los: Ab heute keine Schokolade mehr, keine Kohlenhydrate, öfters ins Training, dazu mehr Cardio und ein möglichst großes Kaloriendefizit, am besten eine Crash Diät und alle leckeren Lebensmittel die ich bisher gegessen habe, werden nun gestrichen. Wow! Das ist eine ganze Menge. Das sind gravierende Einschnitte in das aktuelle Verhalten und in die aktuellen Gewohnheiten. Das wird nicht funktionieren! Zumindest nicht langfristig. Oder kennst du jemanden, der von einer Crash-Diät wirklich schon einmal langfristig profitiert hat? Eher nicht! Alles auf einmal zu wollen und sich zu überfordern, ist das genaue Gegenteil von den oben erwähnten Parametern "Kontinuität und Geduld". Das ist vielmehr ein ungeduldiges Wechselspiel! Ein "auf Diät gehen", daran scheitern, enttäuscht sein und die nächste Diät auszuprobieren. Und dabei praktisch nie ein sein Ziel kommen.
Doch was ist die Lösung? Ganz einfach: Wer seine Gewohnheiten verändern möchte, der benötigt Zeit. Und wer Gewohnheiten verändern möchte, der muss Dinge immer wieder und wieder üben. Wer einen Handstand erlernen möchte, der muss Handstand üben. Allerdings nicht von jetzt auf Gleich das freie Stehen. Vermutlich wird man damit beginnen, den Aufschwung zu üben. Denn der fällt am leichtesten und bildet die Basis. Dann geht man dazu über, einen Handstand an der Wand zu üben und möglichst lange zu stehen. Wen man den Aufschwung beherrscht, wird man den Handstand an der Wand schnell meistern und im Zuge der Belastung werden die Schultern stärker. Irgendwann beginnt man damit, ein Bein langsam von der Wand zu lösen. Später auch das zweite Bein, sodass man lernt die Balance zu halten und sich trotzdem bei Bedarf an der Wand abstützen kann. Und nach und nach wird man es auch mal wagen, den Handstand frei zu versuchen. Man arbeitet sich vom Einfachen zum Komplexen voran. Man konzentriert sich immer auf den einzelnen Schritt. Man arbeitet prozessorientiert, denn man konzentriert sich darauf, was man IM MOMENT tun kann, um am Ende den Handstand zu schaffen. Man arbeitet in kleinen Schritten vom Handstand an der Wand hin zum freien Handstand, weil man genau weiß, dass man mit einem sofortigen Start den freien Handstand zu versuchen scheitern würde - NOCH scheitern würde. Alles logisch, nicht wahr? Warum aber macht man es denn nicht bei seinen Fitness- oder Ernährungszielen genau gleich? Warum beginnt man nicht mit leichten Dingen, die einem leicht fallen? Und zwar so lange, bis diese perfekt sitzen!? Und dann geht man zum nächsten Punkt über. Warum möchte man bei derartigen Zielen von Null of Hundert, vom "ich habe noch nie einen Handstand probiert", hin zu "ich mache jetzt einen freien Handstand und spaziere dann auf den Händen einfach davon"?
Beim Training nennt man diese Dinge "Progression". Keiner erwartet, in seiner ersten Trainingseinheit Kniebeugen, direkt eine technisch perfekte Beuge hinzubekommen und 150kg zu beugen. Man arbeitet sich langsam heran. Man konzentriert sich auf den Prozess, hin zum Endergebnis, bevor man sich ein neues Ziel setzt. Warum also nicht auch bei der Ernährung so?
Progressives Ernährungs- und Performance-Coaching
Das ist es, wofür ich stehe! Es geht mir nicht darum, Personen einen Plan in die Hand zu drücken und zu sagen, "Das ist die Lösung!". Denn die Lösung sieht für jeden anders aus. Es geht darum, einen Fahrplan aufzustellen. Beispielsweise ein 10 Stufenplan. Dieser enthält die wichtigsten Punkte, die im Laufe der Zeit umgesetzt werden sollen, um das Endziel zu erreichen. Dann folgt die Frage, welcher Punkt am EINFACHSTEN von der individuellen Person umgesetzt werden kann. Und genau diesem Punkt widmen wir uns über 2 Wochen hin. Das ist ein prozessorientiertes Ziel. Das ist genau das, was du JETZT und HIER im Verlauf der kommenden 2 Wochen aktiv tun kannst, um dein Ziel zu erreichen. Wenn du das kontinuierlich tust, wird sich das Ergebnis früher oder später automatisch einstellen. Nach den beiden Wochen geht es weiter. Was fällt dir von den restlichen 9 Punkten am einfachsten? Dann widmen wir uns nun diesem Punkt. Diesem Punkt und natürlich dem Punkt der letzten beiden Wochen. Dieser bleibt nach wie vor bestehen. Und so arbeitest du dich nach und nach in die richtige Richtung. Es geht nun nur noch darum, die jeweiligen prozessorientierten Ziele einzuhalten, um anschließend einen Schritt näher am Ergebnis zu sein. Das Ergebnis selbst, steht jedoch nicht im Vordergrund, sondern ist das Resultat des prozessbezogenen Vorgehens!
Irren ist menschlich, Versagen okay!
Und nun kommen wir noch zum entscheidenden Punkt. Nämlich Coaching vs Beratung. Ich wähle ganz bewusst den Begriff "Coaching" bei meinen angebotenen Leistungen. Eine Beratung könnte auch ein herkömmlicher Ernährungsplan sein, der an Größe und Gewicht des Kunden angepasst wurde. Oder ein Trainingsplan, bei dem einfach nur die 1RM Werte eingetragen werden müssen. Coaching geht jedoch weiter. Denn irren ist menschlich und nicht jeder ist immer perfekt. Es geht also darum, Lösungen und Wege zu finden, um Pläne so individuell wie möglich zu machen. Wobei "Pläne" in diesem Fall eher mit "Vorgehensweisen" beschrieben werden sollten. Die häufigsten Fragen bzw. Kommentare die meine Klienten per Mail, Skype oder persönlich bekommen, sind am Ende einer 2 Wochen Frist:
- Wie hat es für DICH funktioniert?
- Zeig es mir!
Die erste Frage ist der natürlich wichtigste Punkt. Nehmen wir noch einmal den Spaziergang. Wie hat er für DICH funktioniert? Möglicherweise gut. Möglicherweise hast du aber auch bemerkt, dass dieser weitaus weniger einfach in den Alltag integrierbar ist, als du anfänglich dachtest. Du hast dich geirrt und dabei versagt, diesen Spaziergang als Gewohnheit einzupflegen. Schade. Aber kein Problem. Wir suchen eine andere Lösung. Wir suchen einen anderen Prozess, der dich deinem Ziel näher bringt und der für den Moment einfacher in deinen Alltag integrierbar ist.
Ganz klar, es gibt Momente und Dinge, die man umsetzen "Muss" und man kann sich nicht immer damit zufrieden geben, dass sobald etwas schwierig wird, einfach alles hinten angestellt wird. Doch man sollte sich die Dinge auch nicht künstlich erschweren und sie schwieriger machen, als dass sie eigentlich sein müssten. Man muss einen Weg finden, mit dem man individuell leben kann. Vielleicht ist der Spaziergang im 10 Stufen Plan dann doch erst an Stufe 5 dran? Vielleicht ist es für mich im Moment tatsächlich einfacher mehr Protein zu essen, wie eigentlich erst an Stufe 3 dran gewesen wäre?
Oder vielleicht hat das mit dem Spaziergang doch ganz gut geklappt? Dann zeig es mir! Zeig es mir im Sinne eines kleinen Tagebuchs, einer Checkliste oder einiger kleinen Notizen die du immer dann gemacht hast, wenn du deinen Spaziergang absolviert hast. Sozusagen ein "High Five" an dich selbst! Das schafft Vertrauen in dich und in deine Arbeit hin zum Ziel. Und auch alleine das ist enorm viel Wert, um eine Stufe nach der anderen zu durchlaufen, immer mit genau der Sache, die dir im Moment am einfachsten fällt. Und so gelangst du prozessorientiert immer näher an dein eigentliches Ziel. Klingt logisch, oder?
Warum machst du es dann nicht?